Das Hitler-Ei

„Das Hitler-Ei“ – so bezeichnet sich selbstironisch die Journalistin und Autorin Monika Buttler, die 1939 in Berlin geboren wurde.
Ihre Eltern waren weder Nazis noch im Widerstand. Wie kam diese bürgerliche, sozialdemokratisch orientierte Familie durch die Hitler-Zeit? Die Tochter eines Bankangestellten und einer Sekretärin erzählt die Geschichte eines Überlebens, das für viele steht: der Vater eingezogen an die Ostfront, die Mutter mit zwei kleinen Kindern auf der Flucht, Hungerjahre nach dem Krieg, bescheidener Wohlstand im Wirtschaftswunderland.
In letzten Gesprächen mit der 95-jährigen Mutter sammelt die Autorin Spuren deutscher Vergangenheit und bewahrt sie vor dem Vergessen. Als das Manuskript vollendet ist, stirbt ihre Mutter.
Monika Buttler, das unfreiwillige „Hitler-Ei“, verwebt ihre individuelle Geschichte mit den historischen Fakten und fügt – kritisch reflektierend – Erinnerungs- splitter zu einem Porträt der damaligen Zeit. Eine sensible Selbsterforschung vor der Folie eines noch immer unbegreiflichen Zeitgeschehens.

„Ich bin total begeistert von diesem Buch.“ Anke Cibach, Autorin, Stade

„Ich komme kaum davon weg, so interessant ist es. Man lernt die Autorin nicht nur kennen, man lernt sie auch schätzen!“ Christa Merz, Wörth

"Das Hitler-Ei" (2005), Verlag Buch & media, 140 Seiten mit Abbildungen,
ISBN 3-86520-134-2, Preis: 12,90 Euro.


Leseprobe

„Seit ihrer Rückkehr aus dem Krankenhaus sind meine Mutter und ich nicht mehr im Café gewesen. Das Essen wird ihr jetzt in der Wohnung serviert. Es dauert sehr lange, bis sie auf mein Klingeln die Tür aufmacht. Ich lausche, höre gar nichts. Totenstille. Ist es soweit? Ist es diesmal die Stille des Todes? Ich zähle die Sekunden und komme auf knapp eine Minute. Endlich öffnet sich die Tür. Meine Mutter taumelt von einer Seite auf die andere, greift zum Gehwagen. ‚Mit mir ist nichts mehr los.’ Sie schafft es, bis zum Sessel zu kommen und lässt sich hineinfallen.
Es ist jetzt das fünfte Mal, dass wir am Wochenende oben bleiben und ich den Kaffee hochbringen lasse. Ich bin erleichtert, dass meine Mutter ihren gewohnten Johannisbeersaft mit Schuss haben will.
Ich mache wie üblich die Überweisungen für die Bank fertig. Dann ziehe ich mein Notizheft hervor und lese ihr einige Namen vor. Vielleicht fällt ihr zu diesen alten Hamburger Bekannten noch etwas ein?
Ihr Kopf sinkt auf die Brust, die Hand beschirmt die Augen. „Nein, kenne ich nicht. Mein Gehirn ist wie zugeschnürt.“ Ihre Stimme geht in ein Schluchzen über. Plötzlich fühle ich mich als Folterer. Ich gleite in das hinein, was ich doch, in meiner Beschäftigung mit der Nazi-Zeit, gerade verabscheue. Ist Seelenfolter nicht genauso schlimm? Ich erkenne, dass die Zeit des Fragens vorbei ist.
Für immer.“





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